Sonntag, 13. Januar 2008

Schwinesische Interviews 01

Liebe Freunde außerhalb Schwinas!

"Die Schwinesen leben nicht hinter den Kartoffeln. Oder so." Das sagte einmal ein berühmter Philosoph Schwinas. Namen habe ich vergessen. Um euch auch davon zu überzeugen, dass Schwina genauso attraktiv wie die anderen Länder dieser Welt ist, interviewe ich für Euch wichtige Persönlichkeiten der schwinesischen Gesellschaft. Heute beginnen wir mit einem Vertreter der Intelligenzija. Viel Vergnügen.

Der Janine

Der Janine im Gespräch mit: Prof. Dr. Hermann Kuppelus, Direktor des Instituts für Stummfilmkunde an der staatlichen Universität Kladow

Herr Prof. Kuppelus, Sie sind der Leiter des weltweit einzigen Instituts für Stummfilmkunde. Wie kommt es, dass gerade in einem Land wie Schwina ein solches Institut angesiedelt ist?

Nun, wissen Sie, wir Schwinesen haben eine gewisse Affinität zu Stummfilmen, weil unsere Fernseher noch nicht in Farbe senden können. Dort haben leider unsere Techniker ein wenig den Anschluss an die Welt außerhalb verloren. Stummfilme erfreuen sich durch diesen Misstand jedoch einer großen Beliebtheit, sodass wir in Schwina nicht nur das einzige Institut für Stummfilmkunde haben, sondern auch die weltweit einzige Produktionsfirma, die sich auf das Drehen von Stummfilmen konzentriert hat.

Sie spielen da auf die „Schwinesische Stummfilmfabrik“ an, Herr Kuppelus.

Richtig, die „Schwinesische Stummfilmfabrik“ produziert täglich zwei kurze Stummfilme, die dann abends im staatlichen Schwinesischen Fernsehen, dem ersten Programm, gezeigt werden. Einer der kurzen Filme ist in der Regel von einer biblischen Geschichte inspiriert, der andere ist eine Art Collage von Dorffesten, Hochzeiten und Partys gemischt mit aktuellen politischen Ereignissen.

Die sich in Schwina nicht unbedingt unterscheiden.

Genau. Die Schwinesen feiern die Politik, wie sie gerade fällt. Oder so.

Da haben Sie ein sehr vielfältiges Material, das sie jeden Tag neu präsentiert bekommen.

Nun, wir nehmen die Filme natürlich auf Super-8 auf und verwahren sie gut sortiert in unserem Archiv, im Keller, wo kalt is’. Dort haben wir sämtlich, aber ausnahmslos sämtliche, Stummfilme der letzten dreiundzwanzig Jahre gesammelt, seit der Gründung des Instituts. Besonders stolz sind wir auf einige Exemplare ausländischer Stummfilme, die wir uns aber noch nicht angeschaut haben, denn wir können leider die Sprachen nicht.

Das ist sehr bedauerlich. Was machen Sie dann mit den Stummfilmen?

Nun, momentan gar nichts. Wir heben sie zurzeit nur auf, um sie später zu sichten. Das hängt damit zusammen, dass unser Institut unter notorischem Personalmangel leidet und ich einfach nicht dazu komme, mir die Filme genauer anzuschauen. Im Moment ist nur meine Professorenstelle bezahlt sowie ein Archivar. Mit meinen Seminaren und Vorlesungen komme ich einfach nicht dazu, die Filme zu sichten.

Was muss man als Student mitbringen, wenn man an ihrem Institut lernen möchte?

Nun ich bin ganz offen: Unser Studiengang hat eine gute Abschlussquote. Etwa 75% der Studenten schließen ihr Studium in der Stummfilmkunde ab und haben dann den schwinaweit anerkannten Abschluss „Hering des Jahres“. Leider hat es bisher kaum einer der Studenten geschafft, nach dem Studium mit seinem Abschluss eine Anstellung zu finden, was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass die „Schwinesische Stummfilmfabrik“ sowieso schon überbesetzt ist. Wenn sie handwerkliche Fähigkeiten oder Kenntnisse von Technik vorweisen können, sind sie schon ein wenig besser bestellt und haben eine sehr gute Aussicht auf spätere Beschäftigung.

Sie haben mir bei unserem Telefonat berichtet, dass Musiker aufgrund der Stummfilme einen recht guten Status haben.

Ja, so ist es. Wissen Sie, die etwas reicheren Fernsehbesitzer leisten sich auch gerne ihren eigenen Stummfilmmusiker. Sie glauben ja gar nicht wie langweilig Stummfilme ohne Musik sind.

Forschen Sie auch auf dem Gebiet der Musik zu Stummfilmen?

Dafür versuchen wir vom Schwinesischen Bildungsministerium zurzeit Gelder zu bekommen, um interdisziplinär diesen wichtigen Bereich abdecken zu können.

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